++ Deutsche Wasserwirtschaft kämpft gegen Fluchtursachen ++

GWP richtet auf 10. Jahreskonferenz dringenden Appell an die Politik

 Flüchtlingsboot Eine der vielfältigen Ursachen von Hunger, Krieg und Flucht ist Wassermangel und der nimmt weltweit zu. Den Kampf dagegen will German Water Partnership jetzt ausweiten. Auf seiner Jahreskonferenz am 16. Mai 2017 stellte das Netzwerk aus 350 Unternehmen und wissenschaftlichen Institutionen der deutschen Wasser-Branche ein Maßnahmenpaket vor und richtete einen dringenden Appell an die Politik (» Positionspapier "Fluchtursachen bekämpfen – Deutsche Wasserwirschaft vor Ort").

Fluchtursachen besser vorbeugenGunda Röstel

„Wir müssen der Wassernot vielerorts frühzeitig begegnen – und damit Fluchtursachen eindämmen bevor sie um sich greifen“, sagte Gunda Röstel, Vorstandsvorsitzende von GWP. „Wichtige Maßnahmen sind bekannt und von unseren Mitgliedern weltweit erprobt.“ Besonders Erfolg versprechend seien etwa die » Ausbildung von Wasserexperten vor Ort, nachhaltige Technologien und Betreiberpartnerschaften auf Augenhöhe.

 Kläranlage in Ruanda Schnelles Handeln braucht zügige Finanzierung

„Wir stehen bereit, jetzt ist die Politik am Zug“, so Röstel. Für eine schnelle Umsetzung brauche es auch neue Finanzierungswege zusätzlich zur bisherigen Entwicklungshilfe. Sinnvoll seien etwa regional ausgerichtete Finanzierungsfonds mit bewusst wenig Verwaltungsaufwand – wodurch Zugang, Steuerung und Kontrolle transparent, effizient und zügig in den Abläufen möglich wären. Der Schwerpunkt müsse durch den Klimawandel bedingt noch stärker auf Früherkennung, Vorbeugung und Hilfe zur Selbsthilfe liegen.

Vorschläge mit Politik diskutiertThomas Silberhorn

Diskutiert wurden diese Vorschläge bei der GWP-Konferenz mit Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie Dr. Christoph Beier, Stellvertretender Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

„Konkurrenzen um die Wassernutzung führen seit Jahrhunderten zu Konflikten in wasserarmen Ländern und Regionen“, sagte Staatsekretär Thomas Silberhorn (» Redetext). „Investitionen in ein besseres Management von Wasserressourcen sind daher direkte Konfliktprävention und dienen der Minderung von Fluchtursachen. Dabei wollen und müssen wir auch den Privatsektor stärker einbinden.“

Dr. Christoph Beier von der GIZ betonte: „Um die zunehmenden Herausforderungen in der Wasserversorgung weltweit zu meistern, ist die Entwicklungszusammenarbeit auf praxiserfahrene Fachkräfte angewiesen. Hier ist auch die deutsche Wasserwirtschaft gefragt, ihre Expertise noch stärker einzubringen.“

Halbwüste bei Wadi Rum, JordanienGWP engagiert sich – zum Beispiel in Jordanien

Bereits jetzt ist das GWP-Netzwerk, zu dem rund 170.000 Mitarbeiter zählen, in über 80 Ländern aktiv. Besonders im Fokus steht das Wüstenland Jordanien, dessen extreme Wassernot mit den Flüchtlingen aus Syrien weiter gewachsen ist. Um die wasserwirtschaftliche Situation zu verbessern, unterschrieben Vertreter von BMZ, GIZ und GWP auf der Konferenz ein » Whitepaper mit dem jordanischen Minister für Wasser und Bewässerung, Dr. Hazim El-Naser.

Flüchtlingslager Zaatari, JordanienVerbandspartnerschaft vor Ort

Seit Januar 2017 kooperiert GWP in Jordanien zudem auf Verbandsebene mit der Arab Countries Water Utilities Association (ACWUA) – unterstützt von der sequa gGmbH, einer Durchführungsorganisation u.a. vom BMZ und Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen Vernetzung, Beratung und Maßnahmen des Capacity Developments.

Graben für Wasserrohre im Zaatari-Flüchtlingslager, Jordanien720 Kilometer Leitungsnetz für Flüchtlingslager

Darüber hinaus bringt sich GWP intensiv im » UNHCR/UNICEF-Flüchtlingslager Zaatari in Nord-Jordanien ein. Über 80.000 Menschen leben dort bislang ohne fließendes Wasser und Kanalisation. GWP-Mitglieder bauen zurzeit mit einem jordanischen Partner 720 Kilometer Leitungsnetz für die Ver- und Entsorgung. Weitere Beispiele aus der GWP-Arbeit zeigten bei der Konferenz eine Plakatausstellung (siehe ganz » unten) und folgende Foren.

– Programm und Präsentationen –

Sechs Fachpanels in zwei Foren mit über 30 Referenten bildeten den Kern der Konferenz. Die Themen waren hochaktuell, vom Kampf gegen Fluchtursachen über Klimaschutz und Nachhaltigkeit bis hin zu Wasser 4.0.

HAUPTFORUM

11:00 Uhr

I. Fluchtursache Wasser? Gefährdung der Lebensgrundlagen durch Klimawandel, Nutzungskonflikte und Versorgungsnotstände“

Moderation: Prof. Dr. Lars Ribbe, Geschäftsführender Direktor, Institut für Technologie- und Ressourcenmanagement TH Köln (ITT Köln)

12:15 Uhr
Mittagspause/Networking

13:15 Uhr

II. Ein Angebot der deutschen Wasserwirtschaft zur Fluchtursachenbekämpfung: Partnerschaften, Bildung, nachhaltige Technologie

Moderation: Eberhard Oehler, Geschäftsführer, Stadtwerke Ettlingen GmbH

14:30 Uhr
Kaffeepause/Networking

15:00 Uhr

III. Lebensgrundlagen sichern: Aktivitäten der deutschen Wasserwirtschaft vor Ort

Moderation: Prof. Dr.-Ing. Peter Hartwig, Geschäftsführer, aqua consult Ingenieur GmbH

16:15 Uhr
Zusammenfassung der Fachforen & Schlusswort

NEBENFORUM

11:00 Uhr

IV. Wasser 4.0 – aktuelle Entwicklungen und Chancen

Moderation: Christian Ziemer, Head of Industry Development & Strategy, Water & Wastewater, Siemens AG (Siemens und Digitalisierung)

12:15 Uhr
Mittagspause/Networking

13:15 Uhr

V. Wasser & Ressourcenwirtschaft – ein Beitrag für Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Moderation: Ursula Schließmann, Mitglied des Vorstands, German Water Partnership

14:30 Uhr
Kaffeepause/Networking

15:00 Uhr

VI. Strukturelle Kooperations- und Geschäftschancen für Mitglieder

Moderation: Dieter Ernst, Mitglied des Vorstands, German Water Partnership

16:15 Uhr
Zusammenfassung der Fachforen & Schlusswort

– Fluchtursachen bekämpfen: Deutsche Wasserwirtschaft vor Ort –