Vernetzung, Kooperation, Investition: Instrumente der Markterschließung im internationalen Wassersektor

07.06.13 – Auf der sechsten Jahreskonferenz von German Water Partnership diskutierten Experten aus Wirtschaft, Politik und Forschung über Marktchancen und Bedarfe in der internationalen Wasserwirtschaft.

German Water Partnership (GWP) erörterte am 4. Juni in Berlin mit nationalen und internationalen Kooperationspartnern aus Wirtschaft und Politik, nicht zuletzt anlässlich des fünfjährigen Jubiläums von GWP, Chancen, Faktoren und Beispiele für erfolgreiche internationale Kooperationen im Wassersektor.

Das internationale Gesicht der deutschen Wasserwirtschaft

Der Vorstandsvorsitzende Michael Beckereit eröffnet die sechste Jahreskonferenz von GWP.Der Vorstandsvorsitzende Michael Beckereit unterstrich in seiner Eröffnungsrede, dass sich GWP innerhalb der letzten fünf Jahre als das internationale Gesicht der deutschen Wasserwirtschaft und -forschung weltweit erfolgreich etabliert und die Positionierung des deutschen Wassersektors als Ansprechpartner für Herausforderungen im Wassersektor entscheidend vorangebracht hat. Zahlreiche Beiträge zur Lösung der weltweiten Wasserprobleme konnten bereits mit entsprechender politischer Flankierung geleistet werden.

Hinrich Thölken vom Auswärtigen Amt äußerte sich überaus anerkennend über die internationalen Erfolge und Aktivitäten der GWP für ein weltweit nachhaltiges Wassermanagement.Hinrich Thölken, Leiter Referats Klima- und Umwelt-Außenpolitik im Auswärtigen Amt, begrüßte in Vertretung von Staatsministerin Cornelia Pieper die Teilnehmer und betonte, das Wasser insbesondere Thema der Außenpolitik sei: Denn Wasser könne Grundlage für Konflikte zwischen Menschen und Staaten oder auch Aus­gangs­punkt für verstärkte bilaterale und regionale Kooperation sein. Das Auswärtige Amt sehe in der grenz­über­schreitenden Wasserkooperation ein wesentliches Element präventiver Außen- und Sicherheitspolitik. Angesichts des zunehmenden Drucks auf die Ressource Wasser würde dieses Thema immer stärker auf der internationalen Tagesordnung stehen.

Kooperation für nachhaltiges Wassermanagement

In der Podiumsdiskussion wurden die unterschiedlichen Herausforderungen und Ansätze im Wassersektor diskutiert.Im Rahmen des Konferenzprogramms wurden die verschiedenen Herausforderungen im Wassersektor beleuchtet: Im Podiumsinterview mit den Schwerpunktthemen Capacity Development, Wasser und Energie, Betreiber-Know-how, Industriewasserwirtschaft und Markterschließung für KMU wurden erfolgreiche Kooperationen im Wasserbereich dargestellt, Schnittstellen identifiziert sowie Perspektiven und Erfordernisse für verbesserte Kooperation formuliert. So wurde etwa am Beispiel eines Projektes zur Steigerung der Energieeffizienz bei der Trinkwasserversorgung in Jordanien deutlich, dass Capacity-Development-Maßnahmen unerlässlich sind, will man die Nachhaltigkeit von Maßnahmen sichern.

Weiterhin wurden verschiedene Möglichkeiten und Instrumente zur Erschließung internationaler Märkte diskutiert: Christian Tippelt vom BMWi stellte das Markterschließungsprogramm des Ministeriums vor, das insbesondere für KMU die Möglichkeit gibt, im Rahmen von Geschäftsanbahnungsreisen, Entscheidungsträger und potenzielle Partner vor Ort zu treffen. Neben der Notwendigkeit von Capacity-Development-Maßnahmen für eine nachhaltige Wasserwirtschaft, wurde ebenso erörtert, dass Capacity Development gleichwohl auch als Instrument zum Markteinstieg funktioniert.

An den regionenspezifischen Round Tables diskutierten GWP-Mitglieder, Kooperationspartner und weitere Gäste aus Politik und Wirtschaft die aktuellen Herausforderungen für die Wasserwirtschaft in der jeweiligen Region.

Zunehmende Strukturierung des afrikanischen Wassersektors

Am Round Table "Afrika" wurden die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Instrumente der Markterschließung diskutiert: Christian Günner von Hamburg Wasser stellte ein Projekt zur nachhaltigen Wasserver- und Abwasserentsorgung in Daressalam vor, das in Kooperation kommunaler Betreiber durchgeführt wird. Intensiv diskutierten die Teilnehmer die Stolpersteine und Erfolgsfaktoren für ein derartiges Projekt. Außerdem berichtete Lea Heidemann von der DIHK für das südliche Afrika über Chancen und Hemmnisse auf den dortigen Märkten. Sie sprach unter anderem über das Fehlen wichtiger Rahmendaten für Analysen aber auch über eine zunehmende Strukturierung des Sektors.

China als Innovationsmotor

Der Round Table "Asien-Pazifik" diskutierte die Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern und beleuchtete Ansätze, die in der Region erfolgreich angewendet werden. So stellte  Reinhold Ollig, Ministerialrat im BMBF, Angebote der chinesischen Regierung beim Aufbau eines Innovationsparks innerhalb des Zhangjiang-Hi-Tech-Parks in Schanghai vor. Auf Basis der engen deutsch-chinesischen Kooperation im Innovations-, Bildungs- und auch Wassersektor unterstützt China speziell die Ansiedlung deutscher Unternehmen.

Bereichsübergreifende Zusammenarbeit in Nordamerika

Um Chancen für Markt- und Geschäftsentwicklung sowie bereichsübergreifende Zusammenarbeit und Vernetzung ging es am Round Table "Nordamerika". Mit internationalen Gästen und Partnern aus Kanada wurden die Herausforderungen und Bedarfe sowie die daraus resultierenden Möglichkeiten der Kooperation und Geschäftsanbahnung diskutiert. Rick Goldring, Bürgermeister von Burlington, Ontario, erläuterte Chancen und Instrumente für erfolgreiche Kooperationen der deutschen Wasserbranche in Kanada.

Dezentrale Wasserversorgung für abgelegene Regionen Südamerikas

Südamerika als potenter Wassermarkt: Daraus ableitend wurde hier der Fokus sowohl auf die aktuellen Chancen und Herausforderungen des Wassermarktes, auf Angebote etwa des BMZ und des BMBF als auch auf förderliche Rahmenbedingungen gelegt. Hier stellte Petra Ruth, Referentin Entwicklungszusammenarbeit bei der IHK Berlin, die Instrumente des BMZ zur Zusammenarbeit mit der deutschen Wasserwirtschaft in der Region vor und legte Anknüpfungspunkte zu GWP dar. Jürgen Hößler von Grünbeck veranschaulichte an einem Projekt zur Errichtung und Einführung einer dezentralen Wasseraufbereitungsanlage in Brasi­lien, im Rahmen eines PPP-Projektes, Faktoren und Ansätze für eine erfolgreiche Umsetzung.

Südosteuropa: eine Region zwischen EZ und EU

Der Round Table "Südosteuropa" beleuchtete Südosteuropa insbesondere als eine Region zwischen „Europäischer Union und Entwicklungszusammenarbeit“. Der Fokus lag auf den Anforderungen und Zielen für eine strategische Zusammenarbeit in Südosteuropa: Kann Südosteuropa Modellregion für ein gemeinsames Konzept deutscher Akteure sein? Unter anderen berichtete Željka Hak von der AHK Kroatien über Chancen für die deutsche Wasserbranche im Hinblick auf den EU-Beitritt Kroatiens im Juli dieses Jahres: Projekte im Bereich der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung stehen weit oben auf der Agenda. Dr. Heike Burghard, stellvertretende Leiterin des GWP-Länderforums Südosteuropa, erläuterte die Möglichkeiten der Nutzung von Capacity-Development-Maßnahmen als Markteintrittsinstrument – nicht zuletzt durch die Vernetzung mit lokalen Akteuren und die Möglichkeiten zur frühzeitigen Projektidentifikation und -entwicklung.

Individuelle Lösungen für individuelle Herausforderungen

Die Diskussionen zeigten, dass German Water Partnership auf dem richtigen Weg ist und individuelle Lösungsansätze für ein weltweit nachhaltiges Wassermanagement bieten kann. Die Teilnehmer der Konferenz nutzten zudem die Gelegenheit mit Entscheidungsträgern und Auftraggebern individuelle Gespräche zu führen, Geschäftsanbahnungen zu initiieren sowie die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch.